Archive for July, 2010

Versuchskaninchen des Schulsystems

Saturday, July 31st, 2010

von Lisa Wicharz

Über meine Meinung zum Bildungssystem berichte ich besser etwas umgangssprachlich aus meinem Schulalltag, ansonsten ist das Thema zum hundertsten Mal möglicherweise nicht mehr lesenswert. Außerdem macht es die Sicht einer Jugendlichen nachvollziehbarer – die Sicht aus einer eher selten zu lesenden Perspektive.

Ich bin 17 Jahre alt und Schülerin an einem Gymnasium in Schöneweide sowie in der SchülerInnenzeitung und einem Sportverein tätig, seit kurzem auch bei den JUSOS in der SPD Treptow-Köpenick. In meiner restlichen Freizeit fange ich bald meinen nächsten Kurs in Französisch an der Volkshochschule an und beende endlich meinen Führerschein der Klasse B. Am wichtigsten ist allerdings an dieser Stelle, dass ich zu dem ersten Jahrgang gehöre, der das Abitur nach zwölf Jahren Schule macht und erstmals das Pflichtfach Ethik bis einschließlich zur zehnten Klasse hatte.

Zuerst soll hier der Ethikunterricht Thema sein, denn dazu habe ich ein recht kurzes Statement. Voraussetzung für guten Unterricht sollten gut ausgebildete LehrerInnen und Lehrbücher sein. Zum einen hat der erste Probejahrgang nie Lehrbücher gehabt, zum anderen stellte sich unsere Lehrerin vor die Klasse und meinte zum Unterrichtsabschnitt Religion nur: ,,Und ihr arbeitet jetzt Vorträge aus, denn ich bin Atheistin und habe keine Ahnung von Religion und eigentlich auch kein Interesse daran.“ Ähm, okay? Ich bin selbst katholisch und hatte etwa sechs Jahre lang außerhalb der Schule Religionsunterricht. Deshalb kann ich sagen, dass das, was da auf den Plakaten letztendlich zu den Weltreligionen zusammengetragen und gut benotet wurde, schlicht und einfach falsch war. Meiner Meinung nach ist dieses schon traurig, denn gerade beim Thema Religion haben viele meiner MitschülerInnen leider gar keine Toleranz, geschweige denn ein Verständnis für wirklich gläubige Menschen (zu denen ich nicht einmal gehöre). Ansonsten können wir in meiner Klasse über viele Themen gut diskutieren. Ich persönlich finde es wichtig sich in einer Gruppe mit verschiedensten Themen auseinanderzusetzen. Doch müssen dafür zwei Unterrichtsstunden in der Woche geopfert werden, wenn es dafür dann nur 45 Minuten pro Woche Erdkunde gibt? Es sollte versucht werden, solche Diskussionsrunden zu anderen Zeiten entstehen zu lassen.

Nun zum verkürzten Abitur: Ich hatte in der neunten Klasse sechs Unterrichtsstunden mehr in der Woche, als der Jahrgang zuvor. Das ist fast ein ganzer Schultag und lässt nicht viel Zeit für andere Aktivitäten, wie Vereinssport oder einfach mal nur das Lieblingscomputerspiel spielen, ohne gleich die schulischen Aufgaben zu vernachlässigen. Der Grund ist die elfte Klasse, die unser Jahrgang nicht mehr hat, deren Unterrichtsstoff wir allerdings zum größten Teil behandelt haben müssen. Erschreckend fand ich es aufgrund dessen, dass mein Chemielehrer sich vor die Klasse stellte und verkündete: ,,Leute, ein kleiner Exkurs. Ich geb euch jetzt eine Zusammenfassung von einem Thema, für dass wir früher wochenlang Zeit hatten, allerdings aus eurem Lehrplan gestrichen wurde. Ihr müsst es nur im Abitur wissen, wobei ich nicht nachvollziehen kann, wie das funktionieren soll und deshalb diese eine Stunde zu diesem Thema.“ Alle guckten ganz schön verdutzt. Bis hierhin denke ich, dass ich (damit meine ich nur meine Person, die oft zu viel Ehrgeiz an den Tag legt) ganz gut mit dem Druck leben kann und auch mit den 40 Kursen, die wir insgesamt während dem Abitur belegen müssen, weil der Senat plötzlich feststellte, dass wir trotz allem viel zu wenig Unterricht in unserer Schullaufbahn hatten. Der Jahrgang nach uns muss sogar von diesen 40 Kursen noch mehr Kurse in das Abitur einfließen lassen. Diese Zusammenarbeit in dem kommenden sogenannten Doppeljahrgang (zehnte und elfte Klasse kommen in die gleichen Kurse) wurde an meiner Schule im vergangenen Schuljahr in den Wahlpflichtfächern getestet. Ich hatte zum einen Latein gewählt, wo wir als sehr kleine Gruppe gut klarkamen. Der Kurs im Fach Biologie, welches ein beliebteres Fach bei uns ist, hatte da leider erhebliche Schwierigkeiten. Traurig ist auch und dies soll mein letzter Punkt sein, von noch vielen, die ich aufzählen könnte, dass viele meiner MitschülerInnen, trotz für sie vier quälenden Jahren Lateinunterrichts, kein Latinum erhalten werden. Durch die Abschaffung des Großen und Kleinen Latinums, würden wir es erst nach der elften Klasse erhalten. Dies würde wiederum noch weitere zwei Semester Latein bedeuten. Viele wählten dies allerdings nicht, weil sie Angst hatten sich dadurch ihren Abiturdurchschnitt herunterzuziehen. Eine weitere Qualifikation kann jedoch nie schaden.

Zusammenfassend kann ich eigentlich nur das wiederholen, was ich im Frühjahr zu Gregor Gysi sagte. Er ließ sich über die Befürwortung des verkürzten Abiturs und falsche Entscheidungen der Abgeordneten zur Griechenlandkrise aus, als er an meiner Schule einer zweistündige Diskussionsrunde beisaß. Zum Ersten werden die Kinder so früh eingeschult, dass sie auch recht jung das Abitur erhalten (er hielt die Schullaufbahn für zu lange). Zum Zweiten sollte eine möglichst weit gefächerte Bildung von jungen Menschen möglich sein, die nun mal Zeit benötigt. Ansonsten erziehen wir Menschen, die alles abwählen können, was nicht genau zu ihrer Ausbildung gehört und haben so nur Ahnung von ihrem spezifischen Bereich und keine gute Allgemeinbildung. Und zum Dritten werden wichtige Lehrplaninhalte gestrichen, die doch letztendlich nur die Aufgabe haben, sich richtig mit einer Problematik auseinanderzusetzen und sie von Grund auf zu verstehen, was nicht erlernt dazu führt, dass ,,wieder Abgeordnete irgendwo sitzen werden, die ein Problem nicht hinterfragen und zu verstehen versuchen und wieder [seiner] Meinung nach nur falsch über eine Griechenlandkrise entscheiden können“.

Rechtspopulismus und Islam-Hetze – Das Gesicht von Pro Berlin

Wednesday, July 28th, 2010

Am 27. Juli 2010 fand im Rathaus Schöneberg die kritische Nachbetrachtung zum Bundesparteitag der “Pro-Bewegung” statt. Aufgerufen hatten zu dieser Nachlese u. a. die JUSOS in der SPD Treptow-Köpenick sowie die SPD Treptow-Köpenick. Ein unterstützendes Grußwort sandte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. Zusammen mit unserem Kreis- und Fraktionsvorsitzenden Oliver Igel, unserem JUSO-Kreisvorsitzenden Lars Düsterhöft sowie Tom Schreiber MdA (auch einer der Referierenden) waren unsere Stellv. JUSO-Kreisvorsitzenden Josephine Schulz, Paul Bahlmann und Martin Magdziak mit vielen weiteren JUSOS unter den über 100 Teilnehmenden im dicht gefüllten John-F.-Kennedy-Saal. Die schreibende und sendende Presse war dabei gut vertreten.

Die umfangreiche Analyse ergab, dass es sich bei der „Pro-Bewegung“ um eine rechtspopulistische Partei handelt, die bei den Berliner Wahlen 2011 viele Mandate erringen will und prognostisch auch kann. Das Wählendenpotenzial rechts von der CDU liegt bei rund 20 %. Pro Berlin kopiert in ihrem Handeln stark die NPD, ist für diese jedoch politische Konkurrenz. Die „Pro-Bewegung“ hetzt dabei gegen MigrantInnen und Muslime, spart jedoch auch andere Gruppen nicht aus („Willkommen in der deutschen Hauptstadt, die leider von Schwulen und Sozialisten regiert wird“, so bspw. die Begrüßung auf deren Bundesparteitag).

Das mediale Echo zu deren Bundesparteitag lag klar auf der breiten und friedlichen zivilgesellschaftlichen Gegendemonstration, an der sich über 300 Menschen beteiligten. Politischer Hauptgegner im rechten Spektrum ist für die SPD aus aktueller Sicht weiterhin die NPD, die schon in einigen Kommunalparlamenten vertreten ist. Dennoch darf auch die „Pro-Bewegung“ nicht aus den Augen verloren werden.

Terminankündigung

Sunday, July 18th, 2010



“Sein Neukölln”

Saturday, July 17th, 2010

Neuköllns Bezirksbürgermeister Buschkowsky macht immer wieder von sich reden. Er ist Neuköllner von Geburt an und im Herzen. Im Norden des Bezirks ballt sich seiner Meinung nach die Problematik, der Süden kommt recht gut weg in seiner Analyse. Rund ums Neuköllner Rathaus gibt es aber noch viele Probleme zu lösen.

Unser Juso Bernd Fiedler hat Heinz Buschkowsky einen Artikel gewidmet, welcher in der Unbunten, der unabhängigen SchülerInnenzeitung mit Sitz an der Archenhold-Oberschule, abgedruckt wurde.

Der komplette Beitrag kann hier nachgelesen werden.

Gebührenfreie Beglaubigungen für Bildungszwecke

Friday, July 16th, 2010

Auf Vorlage unseres Stellv. Kreisvorsitzenden Paul Bahlmann haben wir uns am 16. Juli 2010 mit der Gebührenfreiheit von Beglaubigungen für Bildungszwecke befaßt.

Dabei wurde ein Antrag beschlossen, welcher fordert, dass Beglaubigungen von Zeugnissen und anderen offiziellen Dokumenten bei den Berliner Behörden gebührenfrei erfolgen sollen, wenn diese für Bildungszwecke wie die Immatrikulation an Hochschulen notwendig sind.

Der genaue Wortlaut des Beschlusses kann hier nachgelesen werden.

Den JUSOS in der SPD Treptow-Köpenick war es dabei wichtig zugleich ein bildungspolitisches Signal fernab der kameralistischen Gebührenerzielung zu setzen. Menschen aus nicht so gut situierten Haushalten sollen in ihren Bildungschancen nicht durch sich aufsummierende Beglaubigungsgebühren eingeschränkt werden.

Positionierung zur Zukunft der Pflichtdienste in Deutschland

Friday, July 16th, 2010

Die JUSOS in der SPD Treptow-Köpenick haben bei ihrem Treffen am 16. Juli 2010 eine neue Positionierung zur Zukunft der Pflichtdienste in Deutschland beschlossen. Dem ging eine Phase intensiver Vorbereitung und Abwägung – auch in Bezug auf die Wehrpflicht – voraus.

Der Beschluss im Wortlaut:

Wir treten für einen verpflichtenden Dienst an der Gemeinschaft für Frauen und Männer ein. Dessen Länge soll zusammenhängend mindestens 12 Monate betragen. Die Dienstzeit kann auf Wunsch der dienstleistenden Person in Absprache mit der Dienststelle auf maximal 24 Monate verlängert werden. Diese Verlängerung soll flexibel gestaltet werden können. Dies soll vor allem für junge Dienstleistende, die gerade die Schule abgeschlossen haben, einen lückenlosen Übergang zur Ausbildung bzw. zum Studium gewährleisten.

Der Dienst soll nach freier persönlicher Wahl ausgestaltet werden können: Dafür sollen die derzeit gängigen Formen Wehrdienst, Zivildienst und Freiwilligendienste wie z. B. FSJ/FÖJ gleichberechtigt nebeneinander zur Auswahl stehen. Die Auswahl darf zu keiner Benachteiligung der dienstleistenden Person führen.

Während der Zeit im Wahlpflichtdienst soll Sozialversicherungsschutz durch den Staat bestehen und mindestens ein Entgelt in Höhe des statistischen Existenzminimums für ledige Personen gezahlt werden.

Der Ersatz regulärer Vollzeit- oder Teilzeitarbeitsplätze durch Personen im Wahlpflichtdienst soll ausgeschlossen sein.

Im Vorwärts wurde über unseren Beschluss in einem Artikel berichtet, der hier zu finden ist: Die Pflichtdienste in Deutschland brauchen Perspektive und kein Zusammenstreichen.

Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) gegründet

Wednesday, July 7th, 2010

Am 07. Juli 2010 konstituierte sich nach zweijähriger intensiver Vorbereitung auf Initiative von Glenn Feger die AfA Treptow-Köpenick. Mit sehr engem Zeitkorsett vor dem WM-Halbfinalspiel der deutschen Fußballnationalelf und routinierter Versammlungsleitung wurde die AfA zügig aus der Taufe gehoben und deren Personalia geklärt. AfA-Kreisvorsitzende wurde Kathleen Kollewe.

Ihr zur Seite stehen als Stellvertretende AfA-Kreisvorsitzende unser JUSO Björn Stecher sowie Glenn Feger und Ursula Walker.

Beisitzer im AfA-Kreisvorstand wurden u. a. unsere JUSOS Lars Düsterhöft, Alexander Freier und Robert Willemelis.

Die AfA wird nun zunächst eine Bestandsaufnahme der Gewerkschafts- sowie Betriebs- und Personalratsbeziehungen des Kreises durchführen und sich aktiv in die Erstellung des neuen Wahlprogramms einbringen.

Außerdem werden wir Jusos die arbeitnehmerschaftlichen Aspekte aus unserem Kreisarbeitsprogramm zur Sprache bringen. Wer an der weiteren Arbeit teilhaben möchte, wendet sich bitte an Kathleen unter kathleen.kollewe@gmx.eu.